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Medienmitteilung: 12. Gefahrguttag Schweiz - Das Neuste zum Gefahrgutrecht

Basel/Wallisellen, Juni 2010 - Die Harmonisierung der Gefahrgut-Regelwerke der jeweiligen Verkehrsträger führt leider nicht immer zu mehr Sicherheit, wie sich zum Beispiel an der zukünftigen Kennzeichnung für Versandstücke mit begrenzten Mengen (LQ) zeigt. Die gesetzlichen Vorschriften für die Anwender stellen zudem oftmals den kleinsten gemeinsamen Nenner internationaler Fachgremien dar. Umso wichtiger ist der Gefahrguttag, an dem Fachleute ihr diesbezügliches Wissen jährlich aktualisieren können. Dieses Jahr wartete die Tagung ausserdem mit einem Überraschungsgast auf: Benedikt Weibel hielt die Lobrede auf den scheidenden Präsidenten der GeFaSuisse.

Der Tagungsleiter Ralf Mengwasser von Swiss TS Technical Services AG eröffnete den diesjährigen Gefahrguttag mit der erfreuten Feststellung, dass die Teilnehmerzahl gegenüber dem letzten Jahr zugenommen habe und das Interesse an den Praxis-Fachmodulen über den Erwartungen liege. Dies zeige, dass das Interesse an den kommenden Änderungen und Neuerungen in der Gesetzgebung zum Gefahrgut hoch sei und bleibe. Es sei aber auch ein Hinweis darauf, dass der Gefahrguttag sich als der Anlass schlechthin etabliert habe, an dem sich das notwendige Wissen in konzentrierter Form erwerben lasse.


Theorie und Praxis vereint

Alle Neuerungen kompakt im Überblick
Diesen Anspruch löste der Redner des Plenarvortrags, Beat Schmied vom Bundesamt für Strassen, auch in jeder Hinsicht ein. Er präsentierte den Teilnehmenden einen klar strukturierten Überblick über alle wesentlichen Änderungen im RID, ADR und ADN, mit denen nach dem jetzigen Stand des Wissens bzw. der bereits erfolgten Beschlüsse ab kommendem Jahr zu rechnen ist. Dabei beschränkte er sich angesichts der notwendigen Kürze des Vortrags darauf, die Neuerungen zu erwähnen, sie aber mit wenigen Ausnahmen nicht breit auszuführen. Wer in seinem Berufsleben von einer dieser Änderungen betroffen ist, kann sich mit der so aufbereiteten Checkliste aber sehr einfach ins Detail vertiefen und braucht nicht selber das ganze Regelwerk auf allfällige Änderungen abzuklopfen. Es ist dies genau die Art von Wissensvermittlung und konkreter Unterstützung, die man sich an vielen anderen Tagungen auch zu bekommen wünschte.
Schmied begann mit der Schifffahrt und widmete sich danach ausführlich dem Bereich von Strasse und Schiene. Dabei wies er auf die Neuerungen bei den Freistellungen hin, deren Bedingungen für die Transportbranche immer von grösstem Interesse sind. Er führte die Teilnehmenden chronologisch durch das Regelwerk des RID/ADR und zeigte bei jedem der neun Teile auf, wo mit Änderungen zu rechnen ist. Dabei handelt es sich teilweise um allgemeine Neuerungen, die sämtliche Beteiligten betreffen, wie z.B. die Aufbewahrungspflicht und -frist von Beförderungspapieren, oder um sehr spezifische Änderungen etwa im Bereich spaltbarer Nukleide, einem Transportgut, das wohl nur die wenigsten befördern.
Wie bei jedem internationalen Regelwerk, das eine Vielzahl von nationalen Interessen in sich zu vereinen hat und von einer stets wachsenden Menge an Fachleuten und Gremien redigiert wird, finden sich auch im RID/ADR manchmal erklärungsbedürftige Neuerungen oder Streichungen von eben erst neu Eingeführtem. Damit wird man indes leben müssen, solange das Tempo der Änderungen so hoch bleibt. Angesichts der Bedeutung des Regelwerks und der tatsächlichen Gefahren, die es zu unterbinden versucht, können einzelne Pedanterien sicher auch leicht verziehen werden.

Eine Überraschung zur Verabschiedung
Nicht nur das Regelwerk, sondern auch die Stelle, die in der Schweiz die Gefahrgutbeauftragten ausbildet, ist von einer Neuerung betroffen: Der Präsident der GeFaSuisse, Hans Schwab, tritt in den Ruhestand und wird am kommenden 13. Gefahrguttag nicht mehr aktiv mitwirken. Seine bisherige Leistung und seine Verdienste um die Sicherheit im Transportwesen waren für die Swiss TS jedoch Anlass genug für eine besondere Verabschiedung und Würdigung. Damit trat als Überraschungsgast der ehemalige Vorgesetzte von Hans Schwab, der frühere CEO der SBB, Benedikt Weibel, ans Rednerpult. In einer sehr lebendig gehaltenen Rede rief er den Anwesenden die Probleme im Sicherheitsbereich des Bahntransports in Erinnerung, die im Schreckensjahr 1994 in einer Serie von spektakulären Unfällen kulminierten. So entgleisten im März 1994 unbemerkt einige Waggons eines Güterzugs, was im Bahnhof Zürich-Affoltern zu einer eigentlichen Katastrophe führte. Auslaufendes Gefahrgut entzündete sich und löste heftigste Explosionen aus, die aufsteigenden, schwarzen Rauchwolken waren von Weitem sichtbar. Nur kurz später schlitzte bei Däniken ein falsch positionierter Baukran die Wagen eines vorbeifahrenden Personenzugs auf und verletzte mehrere Passagiere tödlich. Und letztlich entgleisten abermals Waggons mit Gefahrgut – diesmal mitten im Bahnhof Lausanne. Die geladenen Gefahrstoffe hätten explosiv reagiert, wären sie zusammengeflossen; die gesamte Innenstadt von Lausanne musste daher evakuiert werden. Nach diesen drei Unfällen war klar, dass im Bereich Sicherheit dringend und umgehend etwas passieren musste.


'Mr. Gefahrgut der SBB' Hans Schwab nach der Laudatio

Mister Gefahrgut der SBB
Weibel skizzierte danach die Sofortmassnahmen, die sogar soweit gingen, dass Chemietransporte entgegen der Beförderungspflicht der SBB vorübergehend schlicht eingestellt wurden. Doch über die Sofortmassnahmen hinaus musste ein Sicherheitsprogramm entwickelt und durchgeführt werden. Und dazu brauchte es einen Sicherheitsüberwacher, der etwas von der Materie verstand, der mit Unerwartetem umgehen und der auch in kritischen Momenten kühles Blut bewahren konnte. Wer anders als Hans Schwab war dafür geschaffen? Sein 48-jähriger Werdegang bei den SBB hatte auf einer Bahnstation seinen Anfang genommen, wo man früh lernt, mit ungewöhnlichen Umständen und plötzlichen Abweichungen von der Routine umzugehen. Weibel bezeichnete ihn als „cool under fire“ und meinte, er laufe erst bei kritischen Situationen zur eigentlichen Höchstform auf. Jedenfalls griff das massgeblich von ihm betreute und durchgesetzte Sicherheitsprogramm und zeitigte deutliche Wirkungen: Von jährlich 12 Unfällen pro 100 Mitarbeitenden im Jahr 1994 sank die Quote auf 6,5 Ende der 90er-Jahre und bis 2009 sogar auf unter 3. Der von seinem früheren Vorgesetzten so Geehrte zeigte sich trotz des ihm eben attestierten kühlen Bluts für einmal fast überwältigt von der ihm bescherten Überraschung. Als Teilnehmer wird er dem Gefahrguttag zudem erhalten bleiben – dafür sorgt ein lebenslang gültiges Dokument, das ihm überreicht wurde. Ralf Mengwasser nutzte zudem die Gelegenheit und stellte dem Publikum seinen seit Ende Mai als Präsident amtierenden Nachfolger, Rudolf Scheidegger (SPEDLOGSWISS), vor.


Gefahrgut-Kennzeichnung auf dem neuesten Stand

Praxisteil stark besucht
Nach diesem Intermezzo verlief der Gefahrguttag wiederum in den bewährten und bekannten Bahnen. Nach der Pause bot sich die Gelegenheit zum Besuch des „Marktplatzes“ mit seinen Ständen mit Fachliteratur und Produkten rund um den Gefahrguttransport sowie zu Gesprächen unter den Teilnehmern. Anschliessend begann die erste Tranche der Fachmodule. Auch diesmal interessierten sich sehr viele für den praktischen Workshop, den Gefahrgut-Parcours. Dabei ging es dieses Jahr darum, an drei Posten die Konformität von Fahrzeugen, Anhängern und geladenem Gefahrgut zu kontrollieren. Zudem war auch zu prüfen, ob der Chauffeur über die nötigen Papiere und Bewilligungen verfügte. Die Aufgabe war nicht ganz einfach, wie sich rasch zeigte. Zum einen waren die Vollständigkeit und Konformität der mitzuführenden Materialien zu prüfen, vom Feuerlöscher bis zu den vorgeschriebenen Stutzen bei Tankfahrzeugen. Zum andern mussten die einzelnen Güter kontrolliert, aber auch darauf geprüft werden, ob sie überhaupt zusammen geladen werden dürfen. Für Diskussionen sorgte z.B. die Frage, ob ein Chauffeur nur französisch geschriebene Dokumente mit sich führen dürfe. Laut ADR ist dies korrekt, schreibt es doch nur vor, der Chauffeur müsse die Sprache der mitgeführten Papiere lesen und verstehen können. Das Absolvieren des Parcours vermittelte den Teilnehmenden einen Eindruck des Alltags der Kontrollorgane und zeigte, wie vielfältig diese gefordert sind.

Problemfälle frühzeitig erkennen
Ein weiteres Fachmodul widmete sich den Schwerverkehrskontrollen an der Grenze. Ähnlich wie bei den SBB waren auch hier schwere Unfälle mit Todesfolgen der Auslöser der heutigen Kontrollen. Zwei Zollfachleute informierten die Teilnehmenden über ihre Arbeit. Dass diese nicht vergeblich ist, zeigt sich ihnen immer wieder anhand der durchgeführten Kontrollen: bis auf die Drahtarmierung abgelaufene Pneus, Risse im Chassis, ungesichertes Gefahrgut oder leckende Gebinde, aus denen ätzende und giftige Produkte tropfen. Erinnert man sich an den mit Altreifen beladenen Lastwagen, mit dem ein alkoholisierter Chauffeur bei einer Frontalkollision im Gotthardtunnel ein Flammeninferno mit mehrfacher Todesfolge auslöste, ist man dankbar für jede frühzeitige Kontrolle, die solche Unfälle verhindern hilft.


Gefährliche Ladung im Gefahrgutparcours

Gefahrguttag bleibt hoch aktuell
Der Transport von Gütern und damit auch von Gefahrgütern nimmt weiterhin in hohem Tempo weltweit zu. Das Regelwerk RID/ADR versucht, mit dieser raschen Zunahme Schritt zu halten und wird daher fortwährend überholt und alle zwei Jahre revidiert. Solange diese Entwicklung anhält, sind Gefahrgutbeauftragte laufend gefordert, ihr Wissen stets auf dem neusten Stand zu halten. Und genau dafür gibt es den Gefahrguttag: für die konzentrierte Vermittlung relevanter Änderungen und  Neuerungen. Auch nächstes Jahr wieder, am 8. Juni 2011.

Autor: Martin Grether, dipl. Ing. ETH SIA, Journalist BR, Techkomm, www.techkomm.ch

Wallisellen, 22. Juni 2010


Kontakt für fachliche Fragen:
Herr Ralf Mengwasser, Gefahrgutbeauftragter, Telefon: 044 877 61 99

Kontakt betr. Medienmitteilung:
Herr Franco Brunner, Marketing / Kommunikation, Telefon: 044 877 61 39

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